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Letztes Treffen der
Projektpartner: Sousse (Tunesien), 05.06.2005 - 12.06.2005.
>>Reisebericht
Kurz-Info
IMaH-Pium II läuft seit September 2004 bis August 2006 und
wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Baden-Würrtemberg
(BMBF) gefördert
Projektantrag - Die Anfänge
„Ziel ist die Erforschung der kulturellen und medialen Bedingungen für einen erfolgreichen
Wissenstransfer sowie kommunikatives und kollaboratives Lernen und Arbeiten über
Kulturgrenzen hinweg mittels der neuen IuK-Technologien. Der zu erforschende interkulturelle
Wissenstransfer soll im Rahmen gemeinsam entwickelter kulturwissenschaftlicher Lehr- und
Lernprogramme erfolgen, die für eine multimediagestützte Ausbildung im euro-mediterranen
Raum (insb. an Hochschulen des Partnerlandes Tunesien) eingesetzt werden können.“
(Auszug aus dem Projektantrag 2003)
Wo steht das Projekt nach einem Jahr?
Nach einjähriger Förderung im Rahmen des Forschungsschwerpunktprogramms des Landes Baden-Württemberg im Zeitraum von
Mai 2003 bis April 2004 liegt für IMaH/PIUM eine differenzierte Grundstruktur des aus Tunesien und aus
Deutschland wechselseitig zu vermittelnden Wissens vor. Diese Grundstruktur wurde in interkultureller
Zusammenarbeit von einer deutschen und einer tunesischen Arbeitsgruppe entwickelt. Weiter wurden von
den strukturell vorgesehenen ca. 1100 Webseiten 215 erstellt, davon … von der tunesischen Seite. –
Die Struktur von IMaH/PIUM enthält auch ein Selbstlernprogramm. Dazu liegt ein Konzept vor (siehe
Abschlussbericht der Antragsteller), das jedoch noch nicht realisiert werden konnte. Am Beispiel des
Themenfelds ‚Werbung’ sind jedoch bereits zahlreiche Webseiten erstellt worden.
Die während des Forschungsjahres zur Verfügung stehenden Ressourcen ermöglichten den Aufbau zweier
engagierter Forschergruppen in Deutschland und Tunesien, die ein vorbildliches Vertrauensverhältnis
verbindet, die gemeinsame Erstellung des Grundkonzepts, die Klärung der politischen, gesellschaftlichen
und medialen Bedingungen für kulturgrenzenüberschreitendes Lehren und Lernen durch neue Medien in
Tunesien, die Profilierung des Bedarfs entsprechender Programme in Tunesien sowie insbesondere die
Entwicklung eines Content-Management-Systems für eine kollaborative, interkulturelle und vielsprachige
Lehr-/Lernplattform, die den kulturgrenzenüberschreitenden Wissenstransfer gewährleisten soll. Die
Erstellung von Inhalten, die Möglichkeiten deutscher und tunesischer Wahrnehmung darstellt, wurde
exemplarisch realisiert, bedarf jedoch noch weiterer gemeinschaftlicher Entwicklung, z.B. die
Harmonisierung der zum Teil unterschiedlichen fachspezifischen Zugänge.
Der Nutzen von Offenheit und Differenz
Es wäre nicht richtig, das Projekt als statische Aufgabe zu sehen. Die gemeinsame Produktion von
interkulturellen Lehr-/Lernprogrammen setzt einen ständigen Dialog voraus. Aus diesem Grund kommt für
das Projekt auch nur das Internet als Medium in Frage, nicht aber eine CD ROM. Statisch kann die
gestellt Aufgabe auch deswegen nicht sein, weil jede Auseinandersetzung mit kulturellen Phänomenen
auch den kulturellen Wandel zu berücksichtigen hat.
Eine wesentliche Rolle bei der Nutzung des interkulturellen, kollaborativen, vielsprachigen
Lehr-/Lernprogramms kommt den Nutzern selbst zu, sei es im Rahmen des beabsichtigten
Selbstlernprogramms, sei es unterstützt von Dozenten im Hörsaal. Scheinbare Unvollkommenheiten,
wie z.B. kulturspezifisch unterschiedliche Konzeptionen bei der Bearbeitung eines bestimmten
kulturellen Phänomens, fehlende Erklärungsmuster, sei es auf deutscher oder tunesischer Seite,
möglicherweise umstrittene kulturwissenschaftliche Abstrahierungen u.a., bieten den Nutzern/den
Nutzerinnen die Möglichkeit einer intellektuell aktiven Auseinandersetzung mit dem Programm,
die die Differenz der Kulturen berücksichtigt. Dies gilt für alle Phänomene der ‚Inkongruenz‘,
die dem Betrachter der bisher produzierten Inhalte auffallen könnten.
Grundlagen der Erkenntnis beim Kulturenvergleich
Die Autoren sind sich bewusst, dass jeder Vergleich von Kulturen auf intellektuellen Prozessen
beruht, bei denen eine Vielzahl von kulturellen Phänomenen abstrahierend zusammengefasst wird.
Dabei spielt, selbst bei der Bewertung empirischer, zahlengestützter Erkenntnisse, die Prägung
eine Rolle, die durch Gesellschaft, berufliche bzw. Fachkultur und persönlicher Biographie
bewirkt wird. Auch ist stets von der komplexen Differenziertheit von Kulturen und Gesellschaften
auszugehen. Der zu jeder Kultur gehörende Wandel ist zu berücksichtigen, sei es im historischen
Rückblick, sei es in der hypermedia-adäquaten Fortschreibung des Programms.
Das vorgelegte Lehr-/Lernprogramm IMaH/PIUM vermeidet Stereotype und apodiktische Aussagen zu
kulturellen Werten und Verhaltensmustern. Es geht von einer kulturspezifischen Weltsicht und
Weltgestaltung aus, die auf sich verändernden Wahrnehmungsmustern und Diskursen beruht. Daher
wird im Zusammenhang mit den gezeigten kulturellen Phänomenen stets von ‚Wahrnehmung‘ im Sinne
von ‚Möglichkeiten der Wahrnehmung‘ und ‚Diskursen‘ im Sinne sprachlich gestalteter kollektiver
Vorstellungen gesprochen.